Seit 68 Jahren gemeinsam glücklich: Franz und Marianne Maier (Februar 2026)

Seit 68 Jahren gemeinsam glücklich: Franz und Marianne Maier (Februar 2026)

Wie viel Jahre es sind bis zur Silberhochzeit weiß jeder. Auch die Goldene ist allen geläufig. Doch was kommt dann? Und vor allem: Wie schafft man es, so lange gut zusammenzubleiben? Zeit für einen Besuch bei Franz und Marianne Maier. Tief hinein ins Moos muss man fahren, um das Paar in seinem heimeligen Holzhäuschen zu treffen. „Jeden Nagel hier habe ich selbst eingeschlagen“, sagt Franz Maier stolz.

Die fast Neunzig, die der gelernte Zimmerer im Februar vollenden wird, sieht man ihm nicht an. Beides gilt auch für seine Ehefrau. Überhaupt verbindet die beiden sehr viel – etwa ihr Sinn für Humor. Immer wieder fliegen liebevolle Scherze hin und her.

„Wer wie ich am Rosenmontag geboren wurde“, meint Marianne Maier, „kann gar nicht grantig sein.“

Auch dass es zwischen den beiden funkte, hat mit einer Neckerei zu tun. Am 5. Dezember 1956 - die Perchten gab es da noch nicht – liefen Franz und seine Freunde in Nikolausverkleidung durch den Ort. „Dabei hab‘ ich mit der Rute auch das fesche Madl aus Grafing erwischt“, verrät er. Vom Sehen kannte man sich schon, waren doch beide in der Lungenheilanstalt beschäftigt, die sich dort befand, wo heute das Berufsförderungswerk ist.

Eins kam zum anderen, aus einem gemeinsamen Weißbier wurden regelmäßige Treffen, bis sich das Paar am 1. März 1958 das Jawort gab. Sie trug ein Kleid in Blautönen, seinen Nadelstreifenanzug, ein Erbstück vom Bruder, hatte der Schneider passend gemacht. Ohne pompöse Feier ging es nach dem Mittagessen beim Brückenwirt nach Hause, wo Freunde und Verwandte mit Kuchen warteten.

Schnell stellte sich das erste von insgesamt vier Kindern ein – von denen heute drei Enkel und sechs Urenkel stammen, die den Maiers viel Freude bereiten.

Doch auch Schicksalsschläge galt es zu bewältigen. Beide Töchter starben an Krebs – eine mit gerade einmal Drei, die andere im Alter von 52 Jahren. Bei der Erinnerung an den Verlust steigt der alten Dame das Wasser in die Augen. Keine Mutter sollte ihre Kinder begraben müssen.

Und nicht nur der Tod prüfte die Familie – 1990 geriet der erst wenige Jahre zuvor gegründete Hausmeister- und Gartenpflegebetrieb durch einen schweren Arbeitsunfall von Franz Maier in Gefahr. Zum Glück übernahm ein Sohn das Geschäft.

„Aufgrund der schweren Kopfverletzung dachten die Ärzte, der Franz würde für immer im Rollstuhl sitzen“, erinnert sich Marianne Maier an die schwere Zeit. Doch die Frau, die in ihrem Leben schon so viel geschafft hatte, verlor nie den Glauben an Besserung: „Es muss ja nicht immer alles schlecht ausgehen.“

Sechs Jahre dauerte die Rekonvaleszenz – doch dann ging es dem Gatten so gut, dass sich das Paar einen großen Traum erfüllen konnte. Es kaufte einen Ford Transit und baute ihn selbst zum Wohnmobil um.

Von 1999 bis 2017 – als beide schon über 80 Jahre alt waren – gingen die unternehmungslustigen Kirchseeoner sechs Monate im Jahr auf Tour. Sie reisten nach Dänemark, Frankreich und Spanien, kamen bis Rumänien und Montenegro. „Sie hatte die Karte in der Hand und ich war der Chauffeur!“, erinnert sich Franz Maier. Die Bilder, ergänzt durch Einträge zu Reiseroute, Wetter, Ausflügen, bis zur Bewertung der Campingplätze, füllen zahlreiche Fotoalben. So viel sind sie herumgekommen, dass beim Fernsehen immer wieder der Satz falle: „Schau, da waren wir auch schon!“

Doch was hat, neben Reisehobby und der, sicherlich noch viel wichtigeren, gemeinsamen Bewältigung von Krisen zum Gelingen dieser langen Ehe beigetragen? „Dass ich alleweil gearbeitet habe“, sagt Marianne Maier nicht ohne Stolz. „Eine Frau muss immer auch selbst ein Taschengeld haben!“ Der Gatte nickt zustimmend.

Leicht hat man es ihr, die mit sechs Geschwistern aufgewachsen ist, dabei nicht gemacht. Der Vater war der Ansicht, ein Mädchen müsse nichts lernen – „die heiratet ja eh!“ Darum suchte sie sich mit 14 Jahren eine Stelle auf einem Bauernhof. Später arbeitete sie mal in einer Küche, mal in einer Fabrik oder einer Schneiderei. „Als die Kinder klein waren, wurde ich dann Zeitungsausträgerin.“ 15 Jahre lang stieg sie bei jedem Wetter um drei Uhr morgens aufs Rad, um drei Stunden lang am Spannleitenberg, am Kirchberg und im Moos Tageszeitungen zuzustellen.

Nicht zu vergessen die Zeit im AWO-Seniorenzentrum. Aus einer Viermonats- Vertretung wurde nach weniger als drei Monaten eine feste Stelle und es hieß: “Jetzt bleiben Sie bei uns bis zur Rente!“

Neben der finanziellen Eigenständigkeit war für das Paar stets ganz wichtig der gegenseitige Respekt. Den anderen nicht umkrempeln zu wollen. Ja, das Wirtshaus sei „nicht immer aus dem Weg gesprungen“, wie Zimmerer Maier mit einem Schmunzeln zugibt. Gesagt habe die Ehefrau trotzdem nichts. „Wenn er spät heimgekommen ist, hab‘ ich ihn nur angeschaut“, sagt sie augenzwinkernd.

Groß feiern müsse man eine lange Ehe dennoch nicht, erklärt Franz Maier: „Wenn’s daheim wirklich stimmt, muss man nicht in der Öffentlichkeit angeben!“ Darum wurde weder das eiserne (65 Jahre) noch steinerne (67 Jahre) Jubiläum übertrieben festlich begangen. Aber vielleicht ja die Gnadenhochzeit? Bis 2028 kann es sich das bescheidene Paar ja noch überlegen.

Text: Michaela Pelz i.A. des Marktes Kirchseeon

Wie können wir Ihnen helfen?

Ich suche Informationen für...

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Dann kontaktieren Sie uns einfach jederzeit unter folgenden Kontaktmöglichkeiten: