Sie suchten nach: Startseite » Lebensrettende „Helfer vor Ort“: BRK Bereitschaft Kirchseeon (Januar 2026)
„Ambuman“ ist die Geduld in Person. Muss er auch: Immer wieder wird er beatmet oder an den Defibrillator angeschlossen. Denn der armlose Mann ohne Unterleib ist eine Reanimationspuppe. Sein Einsatzort: Überall da, wo man lebensrettende Maßnahmen trainiert.
An diesem Tag ist es das BRK-Heim an der Waldbahn. Und jene Vier, die den künstlichen Patienten zu Demonstrationszwecken ruhig und routiniert behandeln, sind Teil der 1934 gegründeten BRK-Bereitschaft Kirchseeon.
Unter der Leitung von Holger Mauerer setzen sich etwa 40 Aktive ab 18 Jahren – dem Alter, ab dem man dieses Ehrenamt im aktiven Einsatzdienst ausüben darf –unentgeltlich und in ihrer Freizeit dafür ein, anderen zu helfen.
Viele kennen die „Rot-Kreuzler“ vom Blutspendedienst oder den Sanitätswachdiensten bei Veranstaltungen. Bedeutsam ist jedoch auch ihr überregionales Engagement im Rahmen der „Schnell-Einsatz-Gruppe Betreuung“. Hier kümmern sich die BRK-Kräfte bei Großschadenslagen wie Großbränden, Stau, Hochwasser- oder Schneekatastrophen um die zahlreichen Nichtverletzten.
Bereitschaftsleiter Mauerer, der auch Fachdienstleiter Betreuungsdienst im BRK-Kreisverband ist, schildert ein besonders eindrückliches Ereignis: „In der Nähe von Deggendorf war ein komplettes Dorf abgesoffen; es roch nach Brackwasser, die Leute schauten mit fahlen Gesichtern zu, wie ihre Möbel entsorgt wurden. Wenn du so etwas erlebst und gleichzeitig siehst, wie das, was du leisten kannst, den Menschen hilft – das vergisst du nie mehr.“
Genau 30 Jahre ist der 50-Jährige, im Hauptberuf Consultant eines Telekommunikationsanbieters, nun schon dabei: „Ich bin nach dem Ersatzdienst hängengeblieben.“ Was ihn hält, ist der starke, fast familiäre Zusammenhalt innerhalb des Teams, in dem man sich blind vertraue und die Stärken und Schwächen der anderen genau kenne.
Kein Wunder also, dass dieses Ehrenamt auch auf seine „echte“ Familie abgefärbt hat. Ehefrau Isabella, tätig als Medizinische Fachangestellte, trägt seit mehr als 20 Jahren die orange-neonfarbene Kluft über weißem T-Shirt.
Menschen in Not zu helfen, ist ein Herzensanliegen für die zweifache Mutter – auch ihre Kinder sind „natürlich“ Teil der Mannschaft. Dank eines umfangreichen Angebots an Fortbildungen fühlt sich Isabella Mauerer stets gut geschult, die Patienten bestmöglich versorgen zu können.
Vor allem als „Helfer vor Ort“ (HvO) wird es dafür künftig noch mehr Möglichkeiten geben. Seit Dezember existiert dieser Bereich, der dem entspricht, was man im Feuerwehr-Umfeld als „First Responder“ kennt. Dabei eilen „idealerweise innerhalb von wenigen Minuten“ entsprechend gut ausgebildete und erfahrene Mitglieder der BRK-Bereitschaft zu einem Notfall (von Unfall über Herzinfarkt bis zum Schlaganfall), um mit lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen und organisierter Erster Hilfe das „therapiefreie Intervall“ bis zum Eintreffen des regulären Rettungsdienstes zu überbrücken.
Zwar gäbe es in Ebersberg, Grafing oder Vaterstetten Rettungswachen, „aber die warten ja nicht auf den einen Patienten aus Kirchseeon. Und wenn der Rettungswagen (RTW) dann grade unterwegs ist, wenn der Notruf eingeht, wird es unter Umständen zeitlich eng.“
Möglich sei das HvO-Angebot allerdings nur durch die „längst nicht selbstverständliche“ Unterstützung der Gemeinde. Mit 90.000 Euro hat sie sich an der Anschaffung eines Autos sowie von Bekleidung und Ausrüstung beteiligt. Unterschiedlich farbig gekennzeichnete Rucksäcke für Kinder, Erwachsene, oder das Atemwegsmanagement enthalten alles, was man für die Notfallversorgung benötigt.
Das Fahrzeug steht vor dem Haus eines der beiden diensthabenden HvO-Helfer. Die Alarmierung erfolgt durch die Integrierte Leitstelle, die die Planung sämtlicher Rettungsmittel im Blick hat – von RTW bis Hubschrauber. Ausgerückt wird primär abends oder am Wochenende. Eine „24/7“-Besetzung sei aktuell nicht möglich – „die Leute müssen ja auch arbeiten“.
Was manche aus dem Team bereits in der Branche tun, wie Rettungssanitäter Matej Herceg, der aktuell eine Ausbildung als Notfallsanitäter absolviert. Zudem war - und ist! - der 19-Jährige noch bei Feuerwehr und Wasserwacht. „Blaulichtdienste“ in Job und Ehrenamt – ist das nicht ein bisschen viel? „Was ich tue, ist so erfüllend, dass es zur Leidenschaft geworden ist. Und durch den tollen Teamgeist fühlt es sich fast wie Freizeit an“, sagt er mit einem Lachen.
Die „wahnsinnig große Kameradschaft“ lobt auch Viktoria Eringer, seit fast drei Jahren im BRK Kirchseeon. Die Lehramtsstudentin für Mathe und Chemie ist nicht nur nebenberuflich im Rettungsdienst tätig, sondern auch offizielle Leitung des HvO Kirchseeon. Medizinische Notfälle hat die 23-Jährige schon während ihrer bisher 11 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr erlebt. „Die Erfahrung, jemanden erfolgreich zu reanimieren, bevor der RTW kam, hat mich geprägt.“ Jetzt mit dem HvO seien die Erfolgschancen noch deutlich größer.
„Wir ersetzen den Rettungsdienst nicht, können diesen in der Rettungskette jedoch sinnvoll ergänzen. Und wir können das kleine Plus am Anfang und manchmal das Zünglein an der Waage sein, was Langzeitfolgen anbetrifft!“, sagt Holger Mauerer mit großem Ernst.
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